Der Stierkampf
Corrida de Toros
Der Kult um den Stier spielte in fast allen
Mittelmeerkulturen eine Rolle. Das Tier symbolisierte Kraft und
Fruchtbarkeit. Im Mittelalter waren die Stierkämpfe Bestandteil
der Feste am Hof. Ritter und Adelige bekämpften den Stier vom
Pferd aus, bis die Bourbonen dadurch keine guten Soldaten mehr
verlieren wollten. Der Stierkampf des niederen Volkes
erfolgt seit jeher zu Fuß. Daraus entwickelte sich die heutige
Form der Corrida, in der es ein Torero mit dem gut 500 kg
schweren Kampfstier aufnimmt und ihn tötet. Mit Tierquälerei hat
dies für manche Spanier nichts zu tun, es handelt sich um einen
althergebrachten Sport.
Stier, Stierkämpfer und Zuschauer haben eine feste Rolle. Der
Stier soll temperamentvoll, mutig und kampfbereit sein. Hat der Matador
einen kühnen Kampf mit dem Stier geboten, wird er am Ende mit
lang anhaltendem Applaus des Publikums belohnt. Der Verlauf folgt
einem festgelegten Schema:
Paseo: Einmarsch der Teilnehmer.
Suerte de varas: Zunächst testet der
Matador mit einem schweren Tuch (capa) den Stier auf seine
Eigenheiten. Danach bohrt der Picador von einem gepanzertem Pferd
aus dem Stier mit seiner Lanze in die Nackenmuskeln. Dies soll den
Stier schwächen und seinen Kopf gesenkt halten.
Suerte de banderillas: Die Banderilleros
stecken dem Stier zwei mit Widerhaken versehene Spieße in den
Nacken.
Suerte de matar: Erneut tritt der Matador
mit einem roten Tuch (muleta) auf. Durch verschiedene
Manöver mit der Muleta spielt er mit dem Stier, bis er ihm den
Todesstoss (estocada) versetzt. Er versenkt seinen Degen
bis zum Anschlag und der Stier ist meist sofort tot. Falls nicht,
regnet es schon mal Sitzkissen vom aufgebrachten Publikum und der
Stier wird mit einem Dolch getötet.
Die Saison für Stierkämpfe dauert von April bis
September, wobei nicht an jedem Wochenende Corridas
stattfinden. Besonders gute Kämpfe gibt es in Sevilla und Madrid
zu den Fiestas. Was in manchen kleinen Küstenorten den Touristen
geboten wird, ist für einen echten Liebhaber (aficionado)
eher verlorene Zeit.
von Stefan Schunk