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Javier Marías – Mein Herz so weiß
Kurz
nach der Rückkehr von ihrer Hochzeitsreise steht eine junge Frau vom Essen
mit ihren Eltern und Bekannten auf, geht ins Badezimmer, knöpft sich die
Bluse auf und schießt sich mit der Pistole ihres Vaters in die Brust.
Der Name der Verstorbenen ist Teresa Aguilera. Ihr Witwer Ranz heiratet kurz
nach Teresas Tod ihre Schwester Juana und gemeinsam haben sie einen Sohn –
Juan, der Ich-Erzähler des Romans.
Juan steht in der Mitte seines Lebens und hat nun selbst vor etwas weniger als
einem Jahr geheiratet. Er arbeitet – ebenso wie seine Frau Luisa –
als Übersetzer und Dolmetscher. Nach seiner Eheschließung quält
ihn ein Gefühl der Beklemmtheit; nichts wird mehr so sein wie zuvor.
Juan erfährt die Fakten des Todes seiner Tante, die in der Familie bis
dahin totgeschwiegen und ihm gegenüber als Unfall erklärt wurden,
weiß aber nichts über die Gründe des lang zurückliegenden
Selbstmordes. Plötzlich ist auch die Rede von einer dritten Ehefrau seines
Vaters, einer Kubanerin, doch Ranz will sich Juan gegenüber nicht über
die vergangenen Geschehnisse äußern. Erst Luisa kann schlussendlich
Licht in die Geschehnisse von damals bringen, als ihr Juans Vater die Geheimnisse
von einst anvertraut.
Nicht als Kriminalroman ist diese Erzählung aufgebaut, sondern als sprachlich
perfekt ausgefeilte Gedankensammlung über das Leben und die Ehe.
Javier Marías Franco wurde 1951 in Madrid geboren. In seinen ersten
Lebensjahren verbrachte er viel Zeit in den USA, da seine Eltern vom Franco-Regime
verfolgt wurden. 1959 kehrte die Familie nach Spanien zurück, wo Marías
Literaturwissenschaft und Philosophie studierte.
Erste berufliche Schritte machte er als Übersetzer und mit Kurzauftritten
für seinen Onkel Jesús Franco, der Regisseur war. Von 1974 bis 1978
lebte er in Barcelona, dann wieder in Madrid; er verdiente sein Geld mit Übersetzungen
und veröffentlichten Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften.
1983 begann Marías mit Lehrtätigkeiten an verschiedenen Universitäten
in Oxford, Boston und bis heute an der Universidad Complutense in Madrid.
von Katharina Hammer
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